Hexe ist tot

Als ich sie im Sommer 2001 zu mir nach Hause holte, war ein fürchterliches Unwetter.
Die Hinfahrt bei Autobahnvollsperrung, bedingt durch einen schweren Unfall, machten eine
in der Regel 2,5 Std. Fahrt zu einer Tortour von 6 Std. und letztendlich liess mich nur die
Freude auf diese kleine Maus das alles in Ruhe ertragen. Die Rückfahrt mit Hexe – noch
eine Vollsperrung, dieses Mal am Frankfurter Kreuz – erweiterte die Fahrtstrecke ebenso
auf das doppelte der Zeit.

Immer wieder schaute ich nach dem Baby, die neben mir im offenen Korb auf dem
Beifahrersitz schlief. Wenn es mal all zu heftig aufs Dach prasselte, schaute sie auf. Da wir nicht
wirklich vorwärts kamen, habe ich sie an einer Autobahnraststätte aus dem Auto geholt. Sie ging
sofort unter meinen Wagen und machte Pippi und dann rollte sie sich zufrieden in ihrem
Körbchen zusammen. Diesen Hund konnte bereits damals nichts wirklich aus der Ruhe bringen.  

Endlich zu Hause angekommen wurde sie von Alicia, der 15jährigen Hündin im Auslauf begrüsst.
Diese Begrüssung war durchaus freundlich, allerdings in der Wohnung musste sich die kleine Maus
in den ersten Tagen den ein oder anderen Tadel der älteren Hündin dann schon abholen. Aber Hexe
gab nicht auf und schaffte es in nur wenigen Tagen sich bei Alicia auf deren Lieblingsliegeplatz ein
Plätzchen zu erobern. Fortan lagen sie gemeinsam aneinander gekuschelt dort und es war Hexe, die
der 15 Jahre alten Alicia viel Lebensfreude und Lebenskraft  wiedergab und Alicia blühte auf. Sie
waren ein gutes Gespann die beiden und ich will glauben, sie sind es auch jetzt wieder.

Im Mai 2002 hat Hexe beim Cairn Terrier Junghundetag zum ersten Mal einen Agility-Parcour
betreten und wurde mit dem Pokal „wendigster Cairn“ ausgezeichnet. Im September waren wir
dann das erste Mal auf einer Ausstellung gewesen. Gemessen an der Unkenntnis ihres Frauchens
machte Hexe das super.  

2003 kam unser erster Wurf zur Welt. Und wieder war es Hexe, die ihrem Frauchen zeigte wie es
ging. Was helfen da alle Seminare der Welt – Praxis war gefragt und diese habe ich von Hexe gelernt.
Ich weiss noch heute, dass ich helfen wollte beim Abnabeln, die Mäuse kamen so dicht hintereinander.
Sie hat mich beobachtet und ihr Blick war nicht wirklich zufriedenstellend. Als sie dann mit dem einen
Welpen fertig war, stupste sie mit ihrer Schnauze meine Hand zur Seite und drängte darauf mal selbst
nach dem Rechten zu sehen. Oh man, wie muss dieser Hund mich für unfähig gehalten haben – sie
bekam es mit ein paar ‚Handgriffen’ hin. In der weiteren Aufzucht der Welpen habe ich mich immer auf
Hexe verlassen können und ihr Umgang, ihr Management mit den Kleinen hat mich sehr viel gelehrt.

Der erste Wurf im April 2003 war auch der Zeitpunkt, dass wir unsere Alicia gehen lassen mussten.
Alicia war zu diesem Zeitpunkt ca. 17 Jahre alt. Hexe, obwohl mit der Versorgung ihrer Welpen voll
auf beschäftigt, trauerte sehr und ihr Körper reagierte mit Fieber. Nur einen Tag nach Alicia’s Tod
standen wir wieder beim Tierarzt, dieses Mal mit Hexe.

In den folgenden Jahren hat Hexe vielen Cairnies das Leben geschenkt. Ihre Geburten waren reine
Bilderbuchgeburten. Und obwohl ich zur Bestimmung des Geburtstermins immer die Temperatur
kontrollierte und Tabellen führte ... es war Hexe, die ob gut gefuttert oder nicht mir ganz klar sagte:
so jetzt – wir bekommen jetzt Babys und dann möchte ich was essen.

Die souveräne Aufzucht ihrer Welpen und die absolut vorbildliche Führung ihres Rudels haben mir den
Start ins Züchterleben sehr erleichtert und das unbeschwerte Leben mit einem Cairn-Terrier-Rudel
eigentlich erst ermöglicht.

Im Mai 2010, alarmiert durch Anzeichen einer Gebärmutterentzündung, musste ich feststellen, dass
Hexe eine Stauniere hat. Die darauffolgende Operation und die Nachbehandlung mit allem ‘Auf und
Ab’ hat meine Hexe viel Kraft gekostet, aber sie kämpfte sich durch und verlor trotz aller Schmerzen
nie ihren Lebensmut und ihre Lebensfreude. Nach Monaten der Rekonvaleszenz spielte Hexe Ende
des Jahres 2010 zu meiner grössten Freude wieder mit unseren Jüngsten und wie selbstverständlich
nahm sie ihren ‚alten’ Platz als Rudelführerin wieder ein. Vermutlich hatte sie ihn nie verloren.  

Weitere schöne Jahre haben wir erlebt, Hexe hat mit viel Know-how die Welpen ihrer Tochter Alina
mit betreut. Sie war es, die Zita und dann ein paar Jahre später auch Celeste – zwei Cairnie-Welpen,
die ich von befreundeten Züchtern adoptierte, mit ins Rudel holte und sie fortan beschützte und lenkte.
In unserem Umfeld war Hexe bekannt als deeskalierender Hund. Ihr freundliches Wesen und ihr
souveräner Umgang mit Krisensituationen hat so manche Hundebegegnung von anfangs kritisch, in
wenigen Augenblicken in ‘entspannt’ mutieren lassen und nicht selten wurde so für die Zukunft ein
wirklich freundschaftlicher Umgang aller im Rudel befindlichen Cairnies und des Gegenüber erst
möglich. Und mir war sie immer eine gute Freundin, die mir durch ihre Kraft und ihren unerschütter-
lichen Lebensmut mehr gab, als ich mit Worten ausdrücken kann. 

Im Sommer 2012 kam es dann zu der Hinterhandlähmung. Wurde die Lähmung durch das Kämpfchen
mit Celeste ausgelöst oder hat Celeste ein Kämpfchen angefangen, weil in Hexe’s Körper eine Lähmung
sich anbahnte? Wer weiss, niemand hatte bis zu diesem Zeitpunkt Hexe auch nur versucht in Frage zu
stellen. Akupunktur und darauf anschliessende Physiotherapie /Osteopathie brachten meine
Rudelführerin wieder auf die Beine, aber fortan war sie nicht mehr die alte.

In den frühen Morgenstunden am 2. Weihnachtsfeiertag 2012 ist Hexe neben mir eingeschlafen.

 

Wenn ich dir auch Ruhe gönne,
ist doch voll Trauer nun mein Herz
Dich leiden sehen und nicht helfen können,
war für mich der grösste Schmerz
.

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© Christina Metzroth - Bad Münster am Stein-Ebernburg [Rheinland-Pfalz] - 24/03/2015

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